Vorfreude schönste Freude

„Vorfreude schönste Freude“

Dieses Weihnachtslied ist im Westen weniger bekannt, doch die Geschichte nicht weniger interessant. Es ist der Klassiker aller DDR-Weihnachtslieder – doch beinahe wäre dort sogar das ganze Fest abgeschafft worden!

Ostberlin in den frühen 1950er Jahren: In der DDR treibt man den Aufbau des Sozialismus voran – und „Vorfreude schönste Freude“ wird geschrieben.

Berlin – 50er Jahre

Das Politbüro der SED tagt im Berliner Haus der Einheit.  Auf der Tagesordnung steht: Religiöse Einflüsse im Arbeiter und Bauernstaat. Das Christentum ist den DDR-Oberen suspekt. Walter Ulbricht spielt sogar mit dem Gedanken Weihnachten ganz aus dem Kalender zu streichen. Die drei heiligen Könige, das Christkind und den Weihnachtsmann will er arbeitslos machen. Stattdessen soll das politisch korrekte Väterchen Frost übernehmen und die Kinder am Neujahrstag bescheren.

Doch so weit kommt es nicht. Zum Glück kann sich Ulbricht nicht durchsetzen. Stattdessen soll jedoch das Fest zumindest verweltlicht werden. Weihnachtsengeln verwandeln sich in Jahresendfiguren mit Flügeln; Pyramiden heißen vortau Kerzendrehtürme. So wie heutzutage bestimmte Süßwaren Schaumküsse umbenannt wurden. Außerdem sollen Weihnachtslieder her, die ohne religiöse Bezüge auskommen. Hans Naumilkat leitet damals den Kinderchor des Berliner Rundfunks und ist freischaffender Komponist. Ihm gelingt das, was sich die DDR-Oberen erhoffen.

Er schnappt sich ein Gedicht von Erika Engel, komponiert eine eingängige Melodie dazu und macht so „Vorfreude schönste Freude“ zum populären Weihnachtslied in der DDR. Andere Weihnachtlieder schafften es auf die weltweiten Hitlisten, dieses nicht. Doch auch heute wird das Lied noch in vielen Kindergärten und Wohnstuben – vor allem im Osten Deutschlands – gesungen.

Weitere Infos zu verschiedenen Weihnachtslieder finden Sie auf meine Blogbeiträgen.

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